WISSEN FÜR ARBEITGEBER

bKV für Geschäftsführer: Kann sich die Chefetage mitversichern?

Viele Geschäftsführer wollen bei der Einführung einer betrieblichen Krankenversicherung selbst mit hinein. Hier liest du, welche Versicherer die Geschäftsleitung aufnehmen, wann die bKV beim Gesellschafter-Geschäftsführer Arbeitslohn ist und wann eine verdeckte Gewinnausschüttung droht, und was für Inhaber von Einzelunternehmen und Personengesellschaften gilt.

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Stand 8. November 2026
KURZ ERKLÄRT

Geschäftsführer einer GmbH können in die bKV, wenn der Gruppenvertrag die Geschäftsleitung einschließt; HanseMerkur und die Bayerische Beamtenkrankenkasse nennen „Mitglieder der Geschäftsleitung“ ausdrücklich als versicherbar. Steuerlich ist die bKV beim angestellten Geschäftsführer ein Sachbezug wie bei allen Beschäftigten, beim Gesellschafter-Geschäftsführer aber nur, wenn sie vorher klar im Anstellungsvertrag vereinbart ist und so durchgeführt wird; sonst droht eine verdeckte Gewinnausschüttung nach § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG. Inhaber eines Einzelunternehmens und Gesellschafter einer OHG oder KG sind keine eigenen Arbeitnehmer, für sie gibt es keinen steuerfreien Sachbezug. Das ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall.

Kann ein Geschäftsführer in die betriebliche Krankenversicherung?

Definition in einem Satz: Ein Gesellschafter-Geschäftsführer ist ein Geschäftsführer, der zugleich Anteile an der GmbH hält; ein Fremdgeschäftsführer hält keine Anteile. Diese Unterscheidung entscheidet über Steuer und Sozialversicherung, nicht über die Frage, ob ein Tarif dich aufnimmt.

Ob du mitversichert werden kannst, hängt an drei Punkten. Erstens muss der Gruppenvertrag des Versicherers die Geschäftsleitung als versicherte Person vorsehen. Zweitens muss die Zuwendung steuerlich als Arbeitslohn gelten und nicht als Gewinnausschüttung. Drittens kommt es für die Sozialversicherung darauf an, ob du als Geschäftsführer beschäftigt oder selbstständig bist.

Für Inhaber eines Einzelunternehmens und Gesellschafter einer Personengesellschaft stellt sich die Frage anders, weil sie kein Arbeitsverhältnis mit sich selbst haben. Dazu weiter unten ein eigener Abschnitt.

Was die Versicherer zur Geschäftsleitung veröffentlichen

Wir haben am 08.11.2026 Bedingungen und Websites der bKV-Versicherer durchgesehen. Nur wenige nennen die Geschäftsleitung ausdrücklich; bei den übrigen steht der Personenkreis im individuellen Gruppenvertrag.

Veröffentlichte Regeln zur Geschäftsleitung (Stand 08.11.2026)
Versicherer, QuelleGeschäftsleitung versicherbar?Besonderheit
HanseMerkur, Verbraucherinformation KK 309 (06.26)ja: „Vorstandsmitglieder bzw. Mitglieder der Geschäftsleitung sowie die Mitarbeiter“gilt in fast allen bKV-Tarifen; der Tarif BKT nennt nur Arbeitnehmer
Bayerische Beamtenkrankenkasse (bKV-Versicherer der UKV), Beispielvertrag 341142 (09/25)ja, als Hauptversicherteauch die Geschäftsleitung ist anmeldepflichtig, Aufnahme ohne Gesundheitsprüfung; GKV oder PKV
Hallesche, Muster-Versorgungsordnung BGR 412im Muster ausgenommenVorlage für die betriebliche Regel des Arbeitgebers, nimmt Geschäftsleitung und Personen nach § 5 Abs. 2 und 3 BetrVG aus
R+V, Bedingungsheft PKG0726 (07.2026)nicht genanntversichert ist, wer im Gruppenvertrag vorgesehen ist

Allianz, AXA, Signal Iduna, Barmenia, DKV, Continentale und SDK veröffentlichen keine Regel zur Geschäftsleitung. Frag beim Angebot ausdrücklich nach, ob du als Geschäftsführer versichert werden kannst und ob du dann mitgemeldet werden musst.

Viele Geschäftsführer sind privat krankenversichert. Prüfe deshalb auch, ob der Tarif PKV-Versicherte aufnimmt: Die Bayerische Beamtenkrankenkasse nimmt gesetzlich und privat Versicherte, der HanseMerkur-Tarif BKB ergänzt GKV oder eine private Vollversicherung, Ambulant PROFIL der R+V nur GKV-Versicherte. Mehr zum Personenkreis in bKV für Minijobber, Auszubildende und Werkstudenten.

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Steuer beim Gesellschafter-Geschäftsführer: Sachbezug oder verdeckte Gewinnausschüttung?

Ein Geschäftsführer mit Anstellungsvertrag ist lohnsteuerlich Arbeitnehmer: § 1 Abs. 1 LStDV erfasst Personen, die in privatem Dienst angestellt sind und daraus Arbeitslohn beziehen. Für ihn gilt die bKV wie für alle Beschäftigten als Sachbezug, wenn er nur Versicherungsschutz und kein Geld verlangen kann, und bleibt im Rahmen der 50-Euro-Freigrenze nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG außer Ansatz. Die Grundlagen stehen im Ratgeber bKV und Steuer.

Beim Gesellschafter-Geschäftsführer kommt eine zweite Frage hinzu: Bekommt er die Leistung, weil er arbeitet, oder weil er Gesellschafter ist? Im zweiten Fall ist sie eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA). Die mindert nach § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG das Einkommen der GmbH nicht und ist beim Gesellschafter nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG ein Kapitalertrag.

Für den Dienstwagen hat das Bundesfinanzministerium die Linie festgelegt (BMF 03.04.2012, Rn. 1 bis 3): Betrieblich veranlasst ist nur die Nutzung, die durch eine fremdübliche Vereinbarung gedeckt ist, und zwar beim beherrschenden wie beim nicht beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer. Die Vereinbarung muss tatsächlich durchgeführt werden, etwa durch zeitnahe Verbuchung als Lohn und Abführung der Lohnsteuer. Nach unserer Einordnung ist es naheliegend, dass das Finanzamt bei der bKV ebenso prüft; ein BMF-Schreiben speziell zur bKV gibt es nicht.

Arbeitslohn oder verdeckte Gewinnausschüttung: worauf es ankommt
Prüfpunktspricht für Arbeitslohnspricht für vGA
GrundlagebKV im Anstellungsvertrag oder Nachtrag vereinbart, bevor sie beginntkeine Vereinbarung oder erst nachträglich
DurchführungBeitrag läuft über die Lohnabrechnung, Sachbezug wird geprüft und dokumentiertBeitrag wird ohne Lohnbuchung gezahlt
Vergleich mit BeschäftigtenGeschäftsführer erhält die bKV zu denselben Regeln wie die Belegschaftnur der Gesellschafter bekommt sie oder einen deutlich besseren Baustein
Folge bei der GmbHBetriebsausgabemindert das Einkommen nicht (§ 8 Abs. 3 Satz 2 KStG)
Folge beim GesellschafterSachbezug, im Rahmen der 50-Euro-Grenze steuerfreiKapitalertrag (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG)

Die Prüfpunkte sind aus dem BMF-Schreiben zur Kfz-Nutzung übertragen. Die Gesamtbeurteilung trifft das Finanzamt im Einzelfall; das ersetzt keine Steuerberatung.

Sozialversicherung: beschäftigt oder selbstständig?

Beschäftigung ist nach § 7 Abs. 1 SGB IV die nichtselbstständige Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis. Das Bundessozialgericht hat für Geschäftsführer klare Linien gezogen (Urteil vom 14.03.2018, B 12 KR 13/17 R): Fremdgeschäftsführer sind „ausnahmslos abhängig beschäftigt“. Gesellschafter-Geschäftsführer sind nur selbstständig, wenn sie mindestens 50 Prozent des Stammkapitals halten oder eine echte, die gesamte Unternehmenstätigkeit umfassende Sperrminorität im Gesellschaftsvertrag haben.

Für die bKV heißt das: Bist du beschäftigt, gilt die 50-Euro-Grenze auch in der Sozialversicherung wie bei allen Beschäftigten. Bist du selbstständig, fallen auf deine Bezüge ohnehin keine Beiträge aus einer Beschäftigung an; die Frage stellt sich dann nur steuerlich. Meldest du einen geschäftsführenden Gesellschafter einer GmbH an, muss die Einzugsstelle nach § 7a Abs. 1 Satz 2 SGB IV ein Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen.

Wer ist was? Übersicht nach Rolle
RolleLohnsteuerSozialversicherung
Fremdgeschäftsführer (keine Anteile)Arbeitnehmer, Sachbezug möglichbeschäftigt (BSG B 12 KR 13/17 R)
Gesellschafter-Geschäftsführer unter 50 Prozent ohne SperrminoritätArbeitnehmer, vGA-Prüfungbeschäftigt
Gesellschafter-Geschäftsführer ab 50 Prozent oder mit echter SperrminoritätArbeitnehmer, vGA-Prüfungselbstständig
Inhaber Einzelunternehmenkein Arbeitnehmer des eigenen Betriebskein Beschäftigter des eigenen Betriebs
Gesellschafter OHG, KG, GbR mit Tätigkeit für die GesellschaftVergütung zählt zu den gewerblichen Einkünften (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG)Statusfrage im Einzelfall

Vereinfachte Übersicht; Lohnsteuer jeweils mit Anstellungsvertrag. Stimmrechtsabreden außerhalb des Gesellschaftsvertrags zählen für den Status nach dem BSG nicht.

Alleingesellschafter: die Vereinbarung mit der eigenen GmbH

Bist du alleiniger Gesellschafter und alleiniger Geschäftsführer, schließt du die Vereinbarung über die bKV praktisch mit dir selbst. § 35 Abs. 3 GmbHG ordnet dafür § 181 BGB an, der ein solches Insichgeschäft nur erlaubt, wenn es gestattet ist. Außerdem sind Geschäfte zwischen dir und der Gesellschaft „unverzüglich nach ihrer Vornahme in eine Niederschrift aufzunehmen“.

Praktisch reichen dafür wenige Schritte, die dein Steuerberater meist ohnehin kennt:

  1. Prüfen, ob du im Gesellschaftsvertrag oder per Beschluss von § 181 BGB befreit bist.
  2. Die bKV als Nachtrag zum Anstellungsvertrag vereinbaren, mit Beginn in der Zukunft und dem Hinweis, dass nur Versicherungsschutz und keine Geldleistung geschuldet ist.
  3. Den Nachtrag schriftlich festhalten (§ 35 Abs. 3 Satz 2 GmbHG) und zu den Gehaltsunterlagen nehmen.
  4. Den Beitrag über die Lohnabrechnung führen und jeden Monat mit den übrigen Sachbezügen gegen die 50-Euro-Grenze prüfen.
  5. Dieselben Tarifregeln wie für die Belegschaft verwenden, damit der Fremdvergleich trägt.

Inhaber und Gesellschafter von Personengesellschaften

Ein Einzelunternehmer kann nicht sein eigener Arbeitnehmer sein, weil ihm das Dienstverhältnis fehlt, das § 1 Abs. 1 LStDV voraussetzt. Einen steuerfreien Sachbezug gibt es für ihn deshalb nach unserer Einordnung nicht. Einen eigenen Zusatzschutz zahlt er privat; Aufwendungen für den eigenen Unterhalt darf er nach § 12 Nr. 1 EStG nicht als Betriebsausgaben abziehen, soweit § 10 EStG nichts anderes bestimmt.

Beiträge zu Krankenzusatzversicherungen gehören zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen nach § 10 Abs. 1 Nr. 3a EStG. Der Höchstbetrag von 2.800 Euro im Jahr (§ 10 Abs. 4 Satz 1 EStG) wird aber oft schon durch die Basisbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft, und dann scheidet der Abzug nach § 10 Abs. 4 Satz 4 EStG aus.

Bei OHG, KG und GbR gehören Vergütungen, die ein Gesellschafter für seine Tätigkeit im Dienst der Gesellschaft bezieht, nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb. Eine bKV für mitarbeitende Gesellschafter wird damit nicht zum steuerfreien Sachbezug. Für deine Beschäftigten bleibt die bKV davon unberührt, und auch kleine Betriebe kommen in einen Gruppenvertrag: siehe bKV für kleine Unternehmen.

Betriebsrat, Gleichbehandlung und Familie

Geschäftsführer einer GmbH sind nach § 5 Abs. 2 Nr. 1 BetrVG keine Arbeitnehmer im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes. Eine Betriebsvereinbarung zur bKV erfasst dich deshalb nicht; deine Teilnahme regelst du in deinem Anstellungsvertrag. Wie der Betriebsrat bei der Verteilung für die Belegschaft mitbestimmt, steht in bKV und Betriebsrat.

Für die Steuer ist die gleiche Behandlung dein stärkstes Argument: Erhältst du denselben Tarif zu denselben Regeln wie die Belegschaft, spricht das dafür, dass die bKV aus dem Arbeitsverhältnis kommt. Ein Tarif nur für den Gesellschafter-Geschäftsführer ist dagegen schwer zu begründen, und als Gruppenvertrag kommt er ohne Belegschaft meist gar nicht zustande, weil die Versicherer Mindestgrößen ansetzen.

Ehepartner und Kinder kannst du je nach Tarif mitversichern lassen; wer dafür zahlt, regelt der Vertrag. Was die Versicherer dazu veröffentlichen, zeigt Angehörige in der bKV mitversichern.

Du willst die bKV für Belegschaft und Geschäftsführung gemeinsam einführen? Gib in der bKV-Anfrage an, wie viele Geschäftsführer es gibt, ob sie Anteile halten und ob sie gesetzlich oder privat versichert sind. Wir fragen Tarife an, die die Geschäftsleitung ausdrücklich aufnehmen.

Häufige Fragen

Kann ich mich als GmbH-Geschäftsführer über die bKV versichern?

Ja, wenn der Gruppenvertrag die Geschäftsleitung einschließt. HanseMerkur und die Bayerische Beamtenkrankenkasse nennen Mitglieder der Geschäftsleitung ausdrücklich als versicherbar; bei anderen Versicherern regelt das der individuelle Vertrag.

Ist die bKV für den Gesellschafter-Geschäftsführer steuerfrei?

Sie kann im Rahmen der 50-Euro-Freigrenze nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG außer Ansatz bleiben, wenn sie Arbeitslohn ist. Dafür sollte sie vorher im Anstellungsvertrag vereinbart sein und über die Lohnabrechnung laufen. Das ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall.

Wann ist die bKV eine verdeckte Gewinnausschüttung?

Wenn die GmbH sie dem Gesellschafter wegen seiner Beteiligung zuwendet, typischerweise ohne vorherige Vereinbarung oder nur für ihn. Dann mindert sie nach § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG das Einkommen der GmbH nicht und ist beim Gesellschafter Kapitalertrag.

Zählt die bKV beim beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer zur Sozialversicherung?

Wer mindestens 50 Prozent hält oder eine echte Sperrminorität hat, ist nach dem BSG-Urteil B 12 KR 13/17 R selbstständig und nicht beitragspflichtig beschäftigt. Die Sozialversicherungsfrage stellt sich dann nicht, die steuerliche bleibt.

Kann ich als Einzelunternehmer eine bKV für mich abschließen?

Für deine Beschäftigten ja, für dich selbst nicht als steuerfreien Sachbezug, weil du nicht dein eigener Arbeitnehmer bist. Einen eigenen Zusatzschutz zahlst du privat und kannst ihn nur im Rahmen von § 10 Abs. 1 Nr. 3a und Abs. 4 EStG als Vorsorgeaufwand ansetzen.

Brauche ich als privat versicherter Geschäftsführer einen eigenen Tarif?

Nicht immer. Manche bKV-Tarife ergänzen sowohl die gesetzliche als auch die private Krankenversicherung, andere nehmen nur gesetzlich Versicherte auf. Gib deinen Versicherungsstatus deshalb gleich in der Anfrage an.

Gilt eine Betriebsvereinbarung zur bKV auch für die Geschäftsführung?

Nein. Geschäftsführer einer GmbH sind nach § 5 Abs. 2 Nr. 1 BetrVG keine Arbeitnehmer im Sinne des Gesetzes. Ihre Teilnahme wird im Anstellungsvertrag geregelt.

Quellen & Einordnung

Redaktioneller Stand: 8. November 2026. Die Hinweise unterstützen deine Planung und ersetzen keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall. Maßgeblich für Leistungen und Aufnahme sind das individuelle Angebot und die zugehörigen Bedingungen.

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