WISSEN FÜR ARBEITGEBER

bKV oder bAV: Unterschiede, Pflichten und Kombination für Arbeitgeber

Betriebliche Krankenversicherung und betriebliche Altersversorgung klingen ähnlich, sichern aber völlig verschiedene Risiken ab und folgen eigenen Regeln. Hier siehst du, worin sich bKV und bAV bei Pflichten, Steuer, Sozialversicherung und Austritt unterscheiden, und wie du beide sinnvoll kombinierst.

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Stand 26. Oktober 2026
KURZ ERKLÄRT

Die bAV sichert Alter, Invalidität und Hinterbliebene ab (§ 1 BetrAVG), die bKV Gesundheitsleistungen während des Arbeitslebens. Auf die bAV haben Beschäftigte einen gesetzlichen Anspruch: Sie können verlangen, dass bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung umgewandelt werden (§ 1a BetrAVG), 2026 also bis 4.056 Euro im Jahr. Die bKV ist freiwillig, ein vergleichbares Umwandlungsrecht gibt es nicht. Steuerlich laufen beide über getrennte Normen: die bAV über § 3 Nr. 63 EStG, die arbeitgeberfinanzierte bKV über die 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze des § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG.

bKV und bAV: zwei Begriffe, zwei verschiedene Risiken

Definition bAV in einem Satz: Betriebliche Altersversorgung liegt vor, wenn der Arbeitgeber einem Beschäftigten „aus Anlass seines Arbeitsverhältnisses“ Leistungen der Alters-, Invaliditäts- oder Hinterbliebenenversorgung zusagt (§ 1 Abs. 1 Satz 1 BetrAVG). Gezahlt wird also erst, wenn einer dieser Versorgungsfälle eintritt, in der Regel mit dem Ruhestand.

Definition bKV in einem Satz: Die betriebliche Krankenversicherung ist ein Gruppenvertrag, den der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer bei einem privaten Krankenversicherer abschließt und über den die Beschäftigten zusätzliche Gesundheitsleistungen erhalten. Der Nutzen entsteht sofort, etwa bei Zahnreinigung, Sehhilfe oder Vorsorge. Was der Begriff genau umfasst, erklärt der Ratgeber zur betrieblichen Krankenzusatzversicherung.

Die Unterschiede im Überblick

Die Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede aus Arbeitgebersicht. Die Werte für 2026 beruhen auf der bundeseinheitlichen Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung von 101.400 Euro im Jahr (8.450 Euro im Monat).

bKV und bAV im Vergleich (Stand 2026)
MerkmalBetriebliche Krankenversicherung (bKV)Betriebliche Altersversorgung (bAV)
Abgesichertes RisikoKrankheitskosten und Gesundheitsleistungen, die die Krankenkasse nicht oder nur teilweise zahltAlter, Invalidität, Tod (Hinterbliebene), § 1 Abs. 1 BetrAVG
Wann Leistung fließtsofort, während des Arbeitsverhältnissesim Versorgungsfall, meist ab Rentenbeginn
Gesetzlicher Anspruch der Beschäftigtennein, freiwillige Leistungja, Entgeltumwandlung bis 4 % der BBG RV (§ 1a Abs. 1 BetrAVG), 2026 bis 4.056 Euro im Jahr
Steuer (arbeitgeberfinanziert)Sachbezug, steuerfrei bis 50 Euro im Monat für alle Sachbezüge zusammen (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG), darüber § 37b EStG möglichsteuerfrei bis 8 % der BBG RV (§ 3 Nr. 63 EStG), 2026 bis 8.112 Euro im Jahr
Sozialversicherungbeitragsfrei innerhalb der 50-Euro-Freigrenzebeitragsfrei bis 4 % der BBG RV (§ 1 Abs. 1 Nr. 9 SvEV), 2026 bis 4.056 Euro im Jahr
Besteuerung in der LeistungsphaseSteuerfrage stellt sich beim Beitrag (Zufluss als Sachbezug)Leistungen aus Pensionsfonds, Pensionskasse und Direktversicherung sind sonstige Einkünfte (§ 22 Nr. 5 EStG)
Ende des ArbeitsverhältnissesGruppenschutz endet, Fortführung als Einzelvertrag je nach TarifAnwartschaft bleibt unter den Voraussetzungen des § 1b Abs. 1 BetrAVG erhalten
Haftung des ArbeitgebersLeistungen schuldet der Versicherer nach TarifArbeitgeber steht für zugesagte Leistungen ein, auch über einen Versorgungsträger (§ 1 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG)

Rechenwerte: 101.400 Euro × 4 % bzw. × 8 % (eigene Rechnung). Quellen: §§ 1, 1a, 1b BetrAVG, §§ 3 Nr. 63, 8, 22 Nr. 5, 37b EStG, § 1 SvEV, DRV-Rechengrößen 2026. Vereinfachte Übersicht, ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall.

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Pflicht oder Kür: was du anbieten musst

Bei der bAV entscheidest du nicht allein, ob es sie gibt. Jeder Beschäftigte kann nach § 1a Abs. 1 BetrAVG verlangen, dass künftiges Entgelt bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze für seine Altersversorgung verwendet wird. Bietest du einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse an, läuft die Umwandlung dort, andernfalls kann der Beschäftigte eine Direktversicherung verlangen. Für die Umwandlung kannst du gleichbleibende Monatsbeträge im Kalenderjahr verlangen.

Dazu kommt der Pflichtzuschuss: Du musst 15 Prozent des umgewandelten Entgelts zusätzlich an Pensionsfonds, Pensionskasse oder Direktversicherung weiterleiten, „soweit er durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge einspart“ (§ 1a Abs. 1a BetrAVG). Die bAV ist damit für jeden Betrieb ein Pflichtthema, auch wenn kein Euro Arbeitgeberbeitrag geplant ist.

Die bKV dagegen ist Kür. Kein Gesetz verpflichtet dich, sie anzubieten, und Beschäftigte können sie nicht verlangen. Du entscheidest über Budget, Tarif und Kreis der Berechtigten. Das macht die bKV planbar, verlangt aber eine klare Versorgungsordnung, damit Gleichbehandlung und Steuerfreiheit stimmen. Wie das geht, steht in bKV einführen.

Gehaltsumwandlung: bei der bAV vorgesehen, bei der bKV problematisch

Der größte praktische Unterschied liegt in der Finanzierung aus dem Bruttogehalt. Für die bAV hat der Gesetzgeber die Entgeltumwandlung ausdrücklich geregelt: Künftige Entgeltansprüche werden „in eine wertgleiche Anwartschaft auf Versorgungsleistungen umgewandelt“ (§ 1 Abs. 2 Nr. 3 BetrAVG), und § 1 Abs. 1 Nr. 9 SvEV stellt auch umgewandelte Beträge bis 4 Prozent der BBG beitragsfrei.

Für die bKV gibt es keine vergleichbare Vorschrift. Wird die bKV durch Kürzung des Bruttogehalts finanziert, fehlt in der Sozialversicherung regelmäßig die Zusätzlichkeit: Neue Arbeitgeberleistungen nach einem Entgeltverzicht gelten nach Auffassung der Spitzenorganisationen der Sozialversicherung als Ersatz für den Verzicht. Die Pauschalsteuer nach § 37b EStG ist bei Gehaltsumwandlung ausgeschlossen, weil sie Zuwendungen „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ voraussetzt.

Wer Beschäftigten eine bKV mit eigenem Anteil anbieten will, nutzt deshalb meist andere Wege, etwa einen arbeitgeberfinanzierten Grundbaustein mit freiwilliger Aufstockung aus dem Nettogehalt. Die Varianten erklärt der Ratgeber zur arbeitnehmerfinanzierten bKV.

Merksatz: „bKV per Gehaltsumwandlung, steuer- und abgabenfrei wie bei der bAV“ gibt es nicht. Wer das verspricht, überträgt Regeln aus dem Betriebsrentengesetz auf ein Produkt, für das sie nicht gelten.

Steuer und Sozialversicherung: zwei getrennte Regelwerke

Die arbeitgeberfinanzierte bKV ist Sachbezug, wenn Beschäftigte nach dem Arbeitsvertrag nur Versicherungsschutz und kein Geld verlangen können (BFH, Urteil vom 07.06.2018, VI R 13/16). Dann ist sie innerhalb der Freigrenze von 50 Euro im Monat steuer- und beitragsfrei. Die Grenze gilt für alle Sachbezüge eines Monats zusammen, also auch für Tank- oder Einkaufsgutscheine. Wird sie überschritten, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig. Für höhere Budgets kann der Arbeitgeber nach § 37b EStG pauschal mit 30 Prozent versteuern.

Die bAV folgt eigenen Normen: Arbeitgeberbeiträge an Pensionsfonds, Pensionskasse oder Direktversicherung sind nach § 3 Nr. 63 EStG steuerfrei, soweit sie im Kalenderjahr 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze nicht übersteigen. In der Sozialversicherung sind bis 4 Prozent beitragsfrei. Besteuert wird später: Die Leistungen aus diesen Verträgen zählen nach § 22 Nr. 5 EStG zu den sonstigen Einkünften.

Für dich heißt das: bKV und bAV stehen steuerlich auf getrennten Normen mit eigenen Grenzen. Lass die Kombination von der Lohnbuchhaltung prüfen. Details zur Abrechnung findest du unter bKV und Steuer.

Grenzwerte 2026 für arbeitgeberfinanzierte Beiträge
GrenzeNormJahrMonat
bKV: Sachbezugsfreigrenze (alle Sachbezüge zusammen)§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStGnicht anwendbar, monatlich50 Euro
bAV: Steuerfreiheit§ 3 Nr. 63 Satz 1 EStG (8 % BBG)8.112 Euro676 Euro
bAV: Beitragsfreiheit Sozialversicherung§ 1 Abs. 1 Nr. 9 SvEV (4 % BBG)4.056 Euro338 Euro
bAV: Anspruch auf Entgeltumwandlung§ 1a Abs. 1 BetrAVG (4 % BBG)4.056 Euro338 Euro

BBG allgemeine Rentenversicherung 2026: 101.400 Euro im Jahr (DRV). Monatswerte = Jahreswert durch 12. Die 50-Euro-Grenze ist eine Freigrenze, kein Freibetrag. Ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall.

Was beim Austritt passiert

Bei der bAV bleibt eine Anwartschaft erhalten, wenn das Arbeitsverhältnis nach Vollendung des 21. Lebensjahres endet und die Zusage zu diesem Zeitpunkt mindestens drei Jahre bestanden hat (§ 1b Abs. 1 BetrAVG). Der Beschäftigte nimmt also einen Anspruch mit, und du bleibst je nach Durchführungsweg in der Verantwortung.

Bei der bKV endet der Gruppenschutz mit dem Arbeitsverhältnis. Viele Versicherer bieten eine Fortführung als Einzelvertrag mit eigenen Beiträgen an, häufig nur innerhalb einer kurzen Frist. Signal Iduna nennt zum Beispiel zwei Monate nach dem Ausscheiden, ohne erneute Gesundheitsprüfung. Was bei Kündigung und Anbieterwechsel gilt, beschreibt der Ratgeber bKV kündigen und wechseln.

Beispielrechnung: wohin fließt ein Budget von 50 Euro im Monat?

Das folgende Beispiel arbeitet mit Annahmewerten und ist keinem Versicherer zugeordnet. Annahme: Ein Betrieb will je Beschäftigtem 50 Euro im Monat zusätzlich zum Gehalt ausgeben, weitere Sachbezüge gibt es nicht.

Beispiel mit Annahmewerten: 50 Euro Arbeitgeberbeitrag im Monat
PrüfpunktVariante bKVVariante bAV (Direktversicherung)
Steuer heutefrei, wenn keine weiteren Sachbezüge (50 Euro ≤ Freigrenze)frei im ersten Dienstverhältnis (600 Euro im Jahr < 8.112 Euro)
Sozialversicherung heutefrei innerhalb der Freigrenzefrei (600 Euro im Jahr < 4.056 Euro)
Spielraum bei weiteren Benefitskeiner: jeder zusätzliche Sachbezug im Monat gefährdet die Freigrenzegroßer Spielraum bis zu den Grenzen des § 3 Nr. 63 EStG
Nutzen für Beschäftigtesofort sichtbar, etwa bei Zahnreinigung oder Brilleerst im Versorgungsfall, Besteuerung dann nach § 22 Nr. 5 EStG
Pflichten für dichGruppenvertrag, VersorgungsordnungZusage mit Einstandspflicht, Verwaltung über die Laufzeit

Annahmewerte, keine Beitragsangabe eines Versicherers. Steuerliche Bewertung vereinfacht, ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall.

Kombination: wie bKV und bAV zusammenpassen

Beide Modelle lassen sich parallel anbieten, weil sie unterschiedliche Bedürfnisse treffen: Die bKV wirkt im Alltag, die bAV über einen langen Ansparzeitraum. Für dich als Arbeitgeber hat die Kombination einen praktischen Vorteil: Die bAV musst du wegen § 1a BetrAVG ohnehin organisieren, die bKV ergänzt sie als freiwilliger, im Alltag sichtbarer Benefit.

  1. Bestandsaufnahme: Welche bAV gibt es schon, über welchen Durchführungsweg, und welcher Zuschuss nach § 1a Abs. 1a BetrAVG wird gezahlt?
  2. Sachbezüge zählen: Welche Gutscheine, Karten oder sonstigen Sachbezüge laufen monatlich? Daraus ergibt sich, wie viel der 50-Euro-Freigrenze für eine bKV frei ist.
  3. Budget aufteilen: Arbeitgeberbeitrag zur bAV und bKV-Budget getrennt festlegen und in der Versorgungsordnung dokumentieren.
  4. Tarif wählen: Bei der bKV auf Beitragsstabilität und Leistungsbreite achten, Übersicht im bKV-Vergleich.
  5. Kommunizieren: Beide Leistungen mit ihrem jeweiligen Nutzen erklären, Vorlagen unter Mitarbeiter informieren.

Nächster Schritt

Wenn die bAV im Betrieb geregelt ist und du einen sichtbaren Gesundheits-Benefit ergänzen willst, ist die bKV der naheliegende Baustein. Wie sie sich neben anderen steuerfreien Leistungen einordnet, zeigt der Überblick zu Mitarbeiter-Benefits. Für eine Einschätzung zu deinem Betrieb kannst du direkt eine Anfrage stellen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen bKV und bAV?

Die bAV sichert Alter, Invalidität und Hinterbliebene ab und zahlt meist ab Rentenbeginn. Die bKV ist eine Gruppen-Zusatzkrankenversicherung, deren Leistungen Beschäftigte schon während des Arbeitslebens nutzen. Für die bAV gilt das Betriebsrentengesetz, für die bKV das Versicherungsvertrags- und Steuerrecht.

Muss ich als Arbeitgeber eine bAV anbieten?

Ja, in Form der Entgeltumwandlung. Beschäftigte können nach § 1a Abs. 1 BetrAVG verlangen, dass bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung umgewandelt werden, 2026 bis 4.056 Euro im Jahr. Soweit du dadurch Sozialversicherungsbeiträge sparst, musst du 15 Prozent zuschießen.

Muss ich eine bKV anbieten?

Nein. Die bKV ist eine freiwillige Leistung, auf die Beschäftigte keinen gesetzlichen Anspruch haben. Du legst Budget, Tarif und den Kreis der Berechtigten selbst fest, am besten schriftlich in einer Versorgungsordnung.

Kann man die bKV wie die bAV über Gehaltsumwandlung finanzieren?

Nicht mit denselben Vorteilen. Für die bKV gibt es kein Gesetz wie § 1a BetrAVG. Bei einer Finanzierung durch Gehaltskürzung fehlt in der Sozialversicherung regelmäßig die Zusätzlichkeit, und die Pauschalsteuer nach § 37b EStG ist ausgeschlossen.

Zählt die bAV zur 50-Euro-Sachbezugsgrenze?

Die bAV ist steuerlich über § 3 Nr. 63 EStG geregelt, mit einer eigenen Grenze von 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Die 50-Euro-Freigrenze des § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG betrifft Sachbezüge wie die arbeitgeberfinanzierte bKV. Es sind getrennte Normen; die Prüfung im Einzelfall ersetzt das nicht.

Was ist für Beschäftigte attraktiver, bKV oder bAV?

Das hängt vom Alter und den Bedürfnissen ab. Die bKV bringt einen sofort spürbaren Nutzen, etwa bei Zahnreinigung oder Brille. Die bAV wirkt erst im Ruhestand und wird dann nach § 22 Nr. 5 EStG besteuert. Beides lässt sich kombinieren.

Was passiert mit bKV und bAV, wenn jemand kündigt?

Eine bAV-Anwartschaft bleibt erhalten, wenn das Arbeitsverhältnis nach dem 21. Geburtstag endet und die Zusage mindestens drei Jahre bestand (§ 1b Abs. 1 BetrAVG). Die bKV endet mit dem Arbeitsverhältnis; viele Tarife erlauben eine Fortführung als Einzelvertrag innerhalb einer kurzen Frist.

Quellen & Einordnung

Redaktioneller Stand: 26. Oktober 2026. Die Hinweise unterstützen deine Planung und ersetzen keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall. Maßgeblich für Leistungen und Aufnahme sind das individuelle Angebot und die zugehörigen Bedingungen.

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